Warum wir den Kampf um die Strasse neu denken müssen
Wer mit dem Velo auf Reisen geht, sucht Freiheit, Natur und den perfekten Rhythmus aus eigener Muskelkraft und Entdeckungsdrang. Doch sobald die Route durch Städte oder stark frequentierte Agglomerationen führt, wandelt sich das Gefühl der Freiheit oft in einen Hindernisparcours. Wo stehen wir als Velofahrende wirklich im modernen Strassenverkehr?
Wer kennt es nicht? Man kommt von einer traumhaften Überlandtour, ist voll im Flow – und plötzlich trifft man in der Stadt auf das alltägliche Verkehrschaos. Zwischen durch Fussgängerzonen rasenden E-Trottinetts, flitzenden E-Bikes und parkierten Autos wird die Reise schnell zur Mutprobe. Doch sprechen wir hier wirklich von einer «Diskriminierung» des Velos? Oder liegt das Problem an ganz anderer Stelle?
Das neue Gemengelage: E-Trottinetts und der Geschwindigkeitsrausch
Auf den ersten Blick scheint die Konkurrenz auf zwei (oder zwei kleinen) Rädern gross zu sein. E-Trottinetts flitzen oft erstaunlich schnell über Radwege oder Strassen. Durch ihre kleinen Räder und den hohen Schwerpunkt haben sie jedoch einen deutlich längeren Bremsweg, sind schwerer zu steuern und weniger stabil als klassische Velos. Dennoch verdrängen Leih-Trottinetts in vielen Städten zunehmend das klassische Citybike.
Gleichzeitig darf man ehrlich sein: Auch der Trend zum E-Bike hat die Dynamik verändert. So mancher Radfahrer steuert sein Pedelec im Rausch der Geschwindigkeit grenzwertig zügig an Fussgängern vorbei. Gegenüber Langsameren braucht es mehr Vernunft – und wo die Strasse mangels Infrastruktur zu gefährlich wird, ist gegenseitige Rücksichtnahme auf Ausweichrouten Pflicht.
Das wahre Ungleichgewicht: Autogerechte Städte
Begriffe wie «Diskriminierung» bringen uns nicht weiter. Es geht nicht um den Konflikt zwischen Trotti, E-Bike und Tourenvelo. Das eigentliche Problem liegt in der historischen Infrastruktur: Unsere Städte sind nach wie vor stark autogerecht gebaut.
«Viele Städte bieten heute noch weitaus mehr Platz für Parkplätze als für Kinderspielplätze – freie Fahrt für Blechlawinen prägt das Bild.»
Für Veloreisende ist dieser Aspekt besonders spürbar. Während zwei Tonnen schwere Fahrzeuge den öffentlichen Raum dominieren, bleibt für die sanfte Mobilität oft nur ein schmaler, ungeschützter Streifen. Bei einer Kollision schützt die Knautschzone den Autofahrer – auf dem Velo hat man gegen diese Masse schlichtweg keine Chance.
Fazit für Veloreisende: Gelassenheit und klare Forderungen
Lassen wir uns die Freude am Reisen auf zwei Rädern nicht nehmen! Die Debatte zeigt, dass wir keine Grabenkämpfe unter den schwächeren Verkehrsteilnehmern führen sollten. Weder das E-Trotti noch das Velo ist das Problem. Was wir brauchen, ist eine echte Verkehrswende mit baulich getrennten Radspuren und mehr Raum für Fussgänger.
Es gilt: Defensiv fahren, vorausschauend lenken, Tempo herausnehmen und die Freiheit im Sattel entspannt geniessen!

